Bridge over Troubled Water- Sind wir noch zu retten?

 

so lautete das Motto des 5. Hamburger Mediationstages ausgerichtet von der MediationsZentraleHamburg e.V. (MZH)  mitveranstaltet von der Justizbehörde, der HansRaK und vom Verband der Rechtsauskunftstellen / ÖRA, sowie unterstützt von der BAFM.

 

  • Knapp eine Woche vor dem Hamburger Gipfel der G20 stellte dieser Mediationstag die Frage, wie Mediation in hochkomplexen Konstellationen wirken kann?
  • Können wir noch Brücken  bauen  - angesichts turbulenter und tiefer Konfliktströmungen?
  • Finden wir - als Mediatoren- dabei etwas,  was die konflikthafte Welt bzw. ihre streitbaren Parteien  im Innersten (doch) zusammenhält?
  • Ist die Frage nach den Werten - anders als die klassische Lehre sagt - gerade eine trennende statt verbindende?

 

Durch den Tag führte passgenau, konzentriert und moderierend Gesa Lohkamp, die 1. Vorsitzende der MZH.

 

Das Grußwort des Senats ausgesprochen durch Senator Dr. Till Steffen verdeutlichte die Notwendigkeit der Mediation als Konfliktlösungsmethode für Hamburg ergänzend und kooperierend mit gerichtsförmigen Methoden.

 

In Bewegung  brauchte das gut besuchte Auditorium (gut 200 Teilnehmer hatte dieser Tag!) einschließlich der ReferentInnen und des Senators die body-Perkussionistin, Petra Schmidt. Wir wissen: Ohne Bewegung keine erfolgreiche Mediation - im Kopf - in den Gefühlen - am besten auch im Körper!

 

Das Konzept von Kooperation und Konkurrenz  in der Evolution erklärte der Vortrag von Dr. Klaus Otto, Psychologe und Evolutionsforscher. Er nannte viele anschauliche Beispiele aus der langen Erdgeschichte, aus der Natur, den Insekten, Primaten und nicht zuletzt aus dem Wirtschaftsleben.

Systeme (auch wirtschaftliche), die ausschließlich  auf Konkurrenz setzen, sind kurzfristig schnell und  sterben langfristig aus. Systeme die nur auf Kooperation setzen werden langsam und  verpassen Entwicklungssprünge. Er ermunterte die Mediatorenwelt konfliktfreudiger zu sein und Konkurrenz nicht zu verdammen.

 

 

Halten uns Werte zusammen?

 

Die Islamwissenschaftlerin Latifa Kühn machte deutlich, dass Werte sehr kulturell geprägt, uns oft gar nicht bewusst sind aber dafür tief verankert und hochwirksam sind. Der Psychologe, Dr. Klaus Harnak, war der Ansicht, dass selbstverständlich nach den Werten in der Mediation gefragt werden müsse. Marvin Willoughby von Sport ohne Grenzen betonte die selbstverständliche Interkulturalität der Wilhelmsburger sport-kids und das Ausleben von Konkurrenz und Kooperation im erfolgreichen Sport.

 

Der Theologe Rolf Sänger-Diestelmeyer positionierte sich sehr wohl für klare Wertvorstellungen - in Entwicklung und ohne Ausgrenzung.

Wenn wir nicht klar zu unseren innersten Werten stehen, werden wir nicht ernst genommen von anderen, die vielleicht sogar fundamentalistisch zu ihren Werten stehen!  Es stellt sich die Frage der Referenz. Theologen steht dazu der/die/das Dritte - außerhalb des Systems als Referenz zur Verfügung.

 

Mediatoren bieten sich auch als neutrale Dritte an. Aber: welche Werte tragen uns als Mediatoren - welche Werte sind der Mediation als Methode immanent?  Wie kann/muss ich die Methodik bei weiterhin einer verstehensbasierten Haltung ggf. anpassen?

 

Der Nachmittag wurde gestaltet durch diverse hoch qualifiziert besetze Workshops, hervorragend war z.B.

  • Der embodiment-WS mit Carla von Kaldenkerken - hier war viel körperliches Erleben möglich.
  • Der Bericht aus Waffenstillstandsverhandlungen in Tunesien mit Fouad Hamdan - wie binde ich auch den politischen Gegner ein?
  • Der WS Umgang mit Fundamentalismen mit Dr. Monika Hartges und Rolf Sänger-Diestelmeier - nach theoretischem Input und Selbstreflektion zu Dogmatismus wurde im Rollenspiel ausprobiert, wie professioneller Kontakt und Struktur mit fundamentalistischen Gesprächspartnern gehalten werden kann.
  • Ganz neue Wirtschaftskonzepte - systematisch funktional und partnerschaftlich - Mediation  als Querschnittsaufgabe inbegriffen mit Dr. Jo Aschenbrenner.

 

 

Mit der Frage: „Was waren heute meine beiden Aha-Erlebnisse?“ wurde der Tag kurz für alle interaktiv ausgewertet und wir verlosten:

  • Zwei Karten für ein Konzert der Elbphilharmonie - gesponsert vom Hamburger Konservatorium,
  • Eine Hafenrundfahrt zu zweit, gewonnen hat ein Bremer Teilnehmer,
  • Ein stolzes Fachbuch zur Mediation, gesponsert vom Fachhandel Boysen & Mauke.

 

Der Abend klang mit vielen Dankeschöns an die Referenten, die MZH, die tolle Organisation durch die Geschäftsstelle mit Sophie Löffler und an die vielen ehrenamtliche WS-Leiterinnen und Helfer schließlich bei Wasser, Bier, Wein und Brezeln - untermalt von jazzigen Klängen am Keyboard und in warmer Abendsonne -  gemeinsam aus.

 

Ein tolles Event - mit Tradition und viel Zukunft - in zwei Jahren wieder. Wer sich dabei engagieren möchte melde sich bei der MZH.

 

Dr. Monika Hartges, Mediatorin (BAFM), Ausbildungsleiterin IMKA-Hamburg,  www.imka.net

 

 


http://mediationszentralehamburg.de/

im Verband der

Rechtsauskunftsstellen


 

 

Veranstaltet von der MediationsZentraleHamburg e.V.

Koordination der Veranstaltung: Sophie Löffler